Ein Hauch von VOMAG-Lkw

Bobinenspulmaschine

Mit dem um 1900 beginnenden Aufstieg der Vogtländischen Maschinenfabrik AG (VOMAG) zum Weltmarktführer im Stickmaschinenbau wurden auch viele Hilfsmaschinen der Stickerei neu- oder weiterentwickelt. Darunter sind u.a. die Spitzen-Bohrerschleifmaschine, die Repetiermaschine oder die Bobinenspulmaschine.
 
Gerade die Bobinenspulmaschine, hat die Entwicklung der Schiffchenstickmaschine maßgeblich beeinflusst. Als der Schweizer Isaac Gröbli 1863 den ersten Prototyp einer Schiffchenstickmaschine konstruierte, musste für den Schiffchenfaden eine spezielle Spule, die Bobine, gewickelt werden. Zu diesem Zweck erfand Gröbli gleich eine Bobinenspulmaschine mit, die 1865 von der Schweizer Firma J. J. Rieter & Cie in Serie gefertigt und mit den ersten Schiffchenstickmaschinen ausgeliefert wurde. In den folgenden Jahrzehnten gehörten Bobinenspulmaschinen zur Palette vieler großen Stickmaschinenhersteller.
 
Von den Schweizer Firmen Rieter, Casati Carlo oder anderen kleinen Herstellern sind verschiedene Exemplare erhalten geblieben. Diese waren auch im Vogtland die Standardspulmaschinen in der Schiffchenstickerei. Über die Bobinenspulmaschinen der VOMAG ist wenig bekannt. Doch auch diese wurden vom Plauener Maschinenbauer hergestellt und sind im VOMAG-Katalog von 1912 dokumentiert.
 
Seit kurzem ist die Schaustickerei im Besitz einer Bobinenspulmaschine aus der VOMAG. Möglicherweise ist sie eine der Letzten ihrer Art, denn die produzierten Stückzahlen dürften eher gering gewesen sein. Wie erste Untersuchungen zeigen stammt die Maschine aus der ersten Hälfte der 1920er Jahre. Inwieweit die Maschinenummer 1269 Auskunft über die produzierten Stückzahlen von VOMAG-Spulmaschinen gibt, ist umstritten.

In den 1920er Jahren war die Herstellung von Stickmaschinen und deren Zubehör für die VOMAG kaum noch von Interesse. Der Produktionsschwerpunkt hatte sich auf den Fahrzeug- und Druckmaschinenenbau, aber auch auf den Bau moderner Webstühle verlagert. Die neue Ausrichtung spiegelt sich in verschiedenen Neuentwicklungen der VOMAG aus dieser Zeit wider. So auch in der Bobinenspulmaschine: Schaut man sich im Räderkasten der Maschine die Kupplung und die Zahnräder an, so erinnert dies an ein Lkw-Getriebe – en miniature. Die tadellose Pfeilverzahnung der Zahnräder ist in der Lage große Drehmomente zu übertragen. Dies ist im Fahrzeugbau üblich, bei Spulmaschinen eher selten.
Je nach Größe der Schiffchen kann die Maschine auf verschiedene Bobinenlängen und -dicken durch Umstellungen der Schaltgestänge eingerichtet werden. Nach Erreichen der Endgröße wird der Faden abgeschnitten, die Bobine auf dem Wickeldorn nach vorn geschoben und ausgeworfen.
 
Die Spulmaschinen der VOMAG erreichten nie eine größere Verbreitung, über die Gründe können wir nur mutmaßen. Dennoch ist auch die Bobinenspulmaschine aus den 1920er Jahren mit ihrer robusten Technik und den präzise aufeinander abgestimmten Arbeitsgängen ein interessantes Stück Plauener Ingenieurskunst.

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